Welpentraining

Sozialisations- und Prägephase
Prägen - Aber wie?
Hundeschule - Wozu?
Welpenschutz

Sozialisations- und Prägephase

Besonders empfänglich für Umweltreize ist ein Welpe zwischen der vierten und 12. bis 16. Lebenswoche (langsam auslaufend) - die Sozialisations- und Prägephase. Dinge die er in dieser Zeit in "wohl dosierten" Mengen positv erlebt, werden ihm auch im späteren Leben keine Probleme bereiten.
Dies heißt im Umkehrschluss, dass ein Hund, der mit wenigen Umweltreizen (belebter und unbelebter Natur), konfrontiert wurde oder diese gar negativ erlebt hat, Schwierigkeiten haben wird sich in neuen/unbekannten Situationen zurecht zu finden. So kann es passieren, dass er aus Stress oder Angst ständig bellt oder sogar aggressiv reagiert (Angst ist Hauptursache für Aggressionen).
Dies heißt aber nicht, dass Sie Ihrem Welpen einen straffen Wochenplan auferlegen sollten, damit er mit möglichst allen Reizen für sein späteres Leben bereits in den ersten vier Wochen bei Ihnen konfrontiert wurde. Das könnte ihn überfordern. Viel wichtiger als die Quantität, ist die Qualität dessen was er lebt, damit er das Erlebte POSITIV in Erinnerung behält.

Prägen - Aber wie?

Dies ist abhängig vom jeweiligen Hund, dessen Charakter und seiner "Vorbildung". Sie sollten entscheiden, wie viel Sie Ihrem Hund zumuten können und die Reize langsam erhöhen. Eine Überforderung mit Umweltreizen kann in manchen Fällen mehr schaden als nützen und unter Umständen eine Sensitivierung auslösen, d.h. der Hund wird zukünftig noch unsicherer und ängstlich reagieren.
Lassen Sie Ihrem Welpen zum Eingewöhnen im neuen Heim zunächst einige Tage Zeit. Dann beginnen Sie Ihren Hund an neue Umweltreize zu gewöhnen. Fahren Sie zum Beispiel ein kurzes Stück mit ihm in Ihrem Auto. Beim nächsten Mal können Sie auch ein kurzes Stück mit dem Bus fahren. Begeben Sie sich auch mal in eine Fußgängerzone mit wenigen Menschen. Macht ihm das keine Angst, können Sie den Schwierigkeitsgrad erhöhen und schlendern beispielsweise mal über einen Wochenmarkt usw.
Achten Sie darauf, dass sich der Hund niemals in Gegenwart eines neuen Reizes schlecht fühlt. Es muss für den Hund immer positiv enden!
Im Alltag finden Sie immer wieder neue Herausforderungen. Bewältigen Sie viele kleine Abenteuer mit Ihrem Hund, die alle positiv ausgehen. Dies stärkt zum Einen das Vertrauen Ihres Hundes zu Ihnen, zum Anderen hat er wieder eine neue Situation kennen gelernt.
So kann zum Beispiel das Begehen einer, im Wasser liegenden, Bohle ein kleines Abenteuer darstellen.

Hier nun ein Beispiel mit meinem eigenen Hund von 2005. Zunächst traute er sich nicht auf diese Bohle.

Durch gutes Zureden und Locken mit seinem Lieblingsspielzeug hat er sein Misstrauen überwunden. Ich hatte mir eigentlich in den Kopf gesetzt, dass er den Ball schon aus dem Wasser holt.

Da er hierfür noch etwas zu unsicher war, wollte ich ihn nicht überfordern und belohnte ihn mit seinem Lieblingsspielzeug für das Begehen der Bohle.

Nach einigen Wiederholungen war er schon von allein bereit, ins Wasser zu springen und sich den Ball selbstständig zu holen.

Hundeschule - Wozu?

Der Vorteil des Besuchs einer Welpenspielgruppe in der Hundeschule liegt klar auf der Hand: Neben der Gewöhnung an unbelebete Umweltreize (Habituation) wird der Welpe mit verschiedenen optischen, akustischen, taktilen und olfaktorischen Reizen konfrontiert. Er lernt neben unterschiedlichsten Hunderassen auch viele unterschiedliche Menschen kennen. Im Spiel mit anderen Hunden lernt Ihr Welpe, wie er auch mit anderen Hunderassen kommunizieren kann. Dies ist für ein gutes Sozialverhalten gegenüber anderen Hunden in seinem späteren Leben besonders wichtig.
Durch Zuchtauswahl wurde das Aussehen der Hunde so stark verändert, dass es in der Kommunikation untereinander auch zu "Missverständnissen" zwischen den Hunden kommen kann. So sollte Ihr Welpe schon in einer Welpengruppe lernen, dass das Knautschgesicht einer Bulldogge nicht zwangsläufig ein Knurren darstellt, der starre Blick eines Border Collies nicht unbedingt eine Provokation ist, ein Mops aufgrund seiner Ringelrute nur bedingt freudig wedeln kann usw.

Im Spiel mit diesen unterschiedlichen Hunderassen lernt Ihr Hund neben den für alle Rassen geltenen Körpersprachsignalen auch rassespezifische Unterschiede kennen. Des Weiteren lernt er auch im Spiel seine eigene Körpersprache einzusetzen und sich spielerisch unterzuordnen oder zu behaupten. In einer Welpenspielgruppe hat Ihr Welpe die Möglichkeit auf Welpen unterschiedlichster Rassen mit ähnlichem körperlichen Entwicklungsstand zu treffen. Daher ist auch das Risiko der Verletzungen beim Spielen geringer als es für einen Welpen beim Spielen mit älteren Hunden wäre.

Welpenschutz

Einige Hundehalter vertreten fälschlicher Weise die Meinung, dass ein Welpe gegenüber einem erwachsenen Hund eine Art "Freifahrtschein" hätte. Daher könne man einen Welpen jederzeit an jeden erwachsenen Hund heran lassen ohne sich zu sorgen, denn der andere Hund wisse ja, dass er es mit einem Welpen zu tun hat und würde ihm daher auch nichts tun.

Diese Annahme ist eine gefährliche Halbwahrheit!

So etwas wie "Welpenschutz" gibt es nur im EIGENEN (Wolfs-)Rudel. Nun ist die Frage zu klären, wie Hunde ihr eigenes Rudel definieren. In der Regel besteht es aus den Eltern (Hündin und Rüde) und den Geschwistern. Befindet sich nun der Hund bei seinem neuen Besitzer, so bilden diese beiden (und die Familie des Besitzers) ein neues "Rudel" für den Hund. Begegnen Sie nun mit Ihrem Welpen einem anderen Hundehalter mit einem erwachsenen Hund - also einem FREMDEN "Rudel" - so ist nicht selbstverständlich davon auszugehen, dass der fremde Hund Ihrem Welpen wohlgesonnen ist.
In den meisten Fällen sind erwachsene Hunde so weit sozialisiert, dass Sie einem Welpen nicht ernsthaft körperlichen Schaden zufügen. Des Weiteren verfügt ein Welpe über eine Menge Unterordnungs- und Beschwichtigungssignale zur Besänftigung eines erwachsenen Hundes. Eine Selbstverständlich- und Allgemeingültigkeit ist es deshalb noch lange nicht! Daher ist bei der Begegnung Ihres Welpen mit einem fremden erwachsenen Hund ersteinmal Vorsicht geboten. Auch wenn der erwachsene Hund Ihren Welpen nur etwas "unwirsch" zurecht weist, kann dies einen bleibenden Schrecken hinterlassen und eventuell Auswirkungen auf das spätere Sozialverhalten Ihres Hundes haben. Daher ist es besser, wenn Sie etwas vorsichtiger sind. Ihr Kleiner soll doch keine schlechten Erfahrungen machen!